Sternzeichen, Aszendenten, kosmische Persönlichkeitsanalysen – Astrologie erlebt auf TikTok und Instagram gerade einen massiven Aufschwung. Was harmlos klingt, verbindet sich zunehmend mit KI-Technologie und birgt für Jugendliche reale Risiken: von Datenschutzproblemen bis hin zu gefährlichen Selbstzuschreibungen und Falschdiagnosen.
Die Pubertät ist die klassische Phase der Fragen: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Was macht mich aus? TikTok liefert scheinbar schnelle Antworten: in Form von Astrologie-Videos, Aszendenten-Analysen und interaktiven Horoskop-Apps. Die Inhalte sind visuell ansprechend, leicht teilbar und sprechen gezielt das Bedürfnis Jugendlicher nach Orientierung und Selbstverständnis an. Der Algorithmus tut sein Übriges: Wer einmal auf solche Inhalte reagiert, bekommt immer mehr davon.
Neu an dem aktuellen Trend ist die Verknüpfung mit Künstlicher Intelligenz. Zahlreiche Apps werben damit, mithilfe von KI individuelle Horoskope, Beziehungsanalysen oder Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Das Ergebnis wirkt dadurch täuschend präzise und wissenschaftlich.
Was hier stattdessen wirkt, ist der sogenannte Barnum-Effekt: Die KI formuliert vage, allgemeingültige Aussagen, in denen sich fast jeder Mensch wiederzuerkennen glaubt. Und KI-Systeme verstärken diesen Effekt noch, weil sie grundsätzlich als Gefälligkeitsmaschinen funktionieren. Sie sind darauf trainiert, zustimmend und bestätigend zu antworten.
Ein konkretes Beispiel: Schreibt ein Jugendlicher einem KI-Astrologie-Bot „Ich glaube, mein Partner ist toxisch, weil er Skorpion ist", wird die KI diese These mit hoher Wahrscheinlichkeit bestätigen und pseudo-astrologisch untermauern. Statt objektiv zu hinterfragen, spiegelt und verstärkt sie die Unsicherheiten des Nutzers. Im schlimmsten Fall werden so wichtige Lebensentscheidungen, z.B. über Freundschaften, Beziehungen, das eigene Selbstbild oder die Karriere, an einen Algorithmus ausgelagert.
Besonders problematisch ist die Tendenz vieler Apps und TikTok-Formate, Jugendlichen vorschnell negative Eigenschaften zuzuschreiben. Begriffe wie „toxisch", „narzisstisch" oder „emotional unreif" kursieren ohne jede fachliche Grundlage. Wer solche Zuschreibungen oft genug liest, beginnt irgendwann, sie zu verinnerlichen. Aus einem Test-Ergebnis wird eine selbsterfüllende Prophezeiung, die das Selbstbild Jugendlicher nachhaltig und negativ prägen kann. Echte psychologische Diagnosen ersetzen diese Apps in keinem Fall.
Viele dieser Apps und verlinkten Drittanbieter-Webseiten sind datenschutzrechtlich höchst fragwürdig. Um ein „persönliches" Horoskop oder Persönlichkeitsprofil zu erhalten, müssen Nutzerinnen und Nutzer teils sehr sensible Daten eingeben: Geburtsdaten, Wohnort, Angaben zur Beziehung, zu Ängsten oder zur sexuellen Orientierung.
Hinzu kommt die Gefahr von Abo-Fallen und Betrug: Viele Apps locken mit einem kostenlosen Ersteindruck und führen Jugendliche dann in kostenpflichtige Abonnements.

